Verzweiflung. Mitgefühl. Verbindung.

Liebe Eltern,

dieser Blog wird persönlich. Aber er ist wichtig. Weil es um Verbundenheit geht. Weil es um Vertrauen, um Gesehenwerden und um Mitgefühl geht.

Ich bin ein Elternteil, genau wie Sie. Ich bin Mutter vierer Kinder, deren Charakter gar nicht unterschiedlicher sein können. Während das eine Kind eher in sich gekehrt ist, ist das andere sehr extrovertiert. Während das eine viel Begleitung braucht, ist das andere Kind sehr autonom. Mal abgesehen davon, dass sich alle vier in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden (von Autonomiephase, über Wackelzahnpubertät und Vorpubertät bis hin zur Pubertät), hat jedes Kind seine ganz eigenen Bedürfnisse, die noch dazu jeden Tag variieren.

Braucht das Wackelzahnkind den einen Tag viel Selbstwirksamkeit und das kleinste Kind viel körperliche Nähe, kann es sein, dass es am nächsten Tag komplett andersherum ist. Der Versuch, eine immer wiederkehrende Struktur in unseren Alltag zu bringen, ist aufgrund dessen sehr schwierig. Natürlich können wir die groben Dinge, wie z.B. die Frage nach der Uhrzeit des Abendbrots gut strukturieren. Wie aber ein Nachmittag aussieht, haben wir Eltern kaum in der der Hand. Es kann alles passieren. Oder nichts.

Letztens ist alles passiert. Alles gleichzeitig. Und alles innerhalb eines ziemlich kurzen Zeitraums, sodass kaum Zeit war, sich zwischendurch zu erholen. Streit zwischen uns Eltern, Frust aufgrund Überlastung (erste Schulwoche, erste Arbeitswoche, viel zu organisieren), alles hat sich verzögert und Zeitdruck entstand (weil zu spätes Abendbrot führt oft zu übermüdeten Kindern, die sich wiederum dann emotional hochschaukeln und gar nichts mehr geht), zwei heftigste Wutanfälle bei einem unserer Kinder und zwischendrin die Mäuse-verschenkende Katze (nein, es ist nicht niedlich, wenn sie uns eine tote Maus auf die Türschwelle legt).

Naja, Sie merken schon, ein langer Rattenschwanz an „dieser Tag kann weg“!

Wenn wir Eltern bereits so überlastet sind, ist es fast unmöglich, unsere Kinder in ihrer Emotionalität gut zu begleiten und es ist ebenfalls unmöglich, gut zu uns selbst zu sein. Der Geduldsfaden ist kurz, der Kopf entweder zu voll oder zu leer und alle Strategien, die wir Eltern eigentlich kennen und abrufen könnten, sind verschollen. Irgendwo im Kopfnirwana zwischen Stress, Frust und Überlastung.

Liebe Eltern, ich sehe euch! Ich fühle mit, wenn Sie mir sagen, dass Sie verzweifelt sind.  Ich verstehe, wenn Sie sagen, dass Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Ich kann mir sehr gut ein Bild machen, wenn Sie versuchen, mir auszumalen, was Zuhause manchmal passiert. Die Lautstärke, die Verzweiflung, das schlechte Gewissen wenn’s wieder mal nicht geklappt hat mit bindungsorientierter Erziehung. Die Angst, dass aus unseren Kindern mal nichts wird. Die Angst, als Eltern versagt und sich als Paar verloren zu haben.

Und doch! Es gibt Licht am Ende des Tunnels. Ich weiß das, weil sich dieses Licht, manchmal grell scheinend, manchmal nur leicht flackernd, zeigt. Mal früher, mal später. Aber es zeigt sich.

Haben Sie Geduld mit sich. Sie sind nicht allein.

Herzlichst,

Nicole Schöbe

PS: Es ist etwas Tolles in Planung - seien Sie gespannt.

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