Nicht reden - zuhören !
Wenn wir wollen, dass unser Kind abschaltet und nicht mehr zuhört, müssen wir nur eins tun: etwas erklären und es ganz oft wiederholen. Ganz besonders dann, wenn die Emotionen unseres Kindes gerade explodieren.
Sie merken schon…Ironie.
Denn: Wenn unser Kind gerade sehr emotional ist und bspw. wütet, dann ist es die am wenigsten wirksame Maßnahme, das Kind zu belehren und zu versuchen, ihm die Logik unserer Position verdeutlichen zu wollen. Voraussetzung, dass unser Kind unsere “Ansprache”, also sprich, unseren Appell an ihn, versteht, ist nämlich, dass unser Kind in dem Moment in der Lage ist, die “Stimme der Vernunft” zu hören.
Doch gerade in hochemotionalen Situationen (wenn unser Kind also wütend, traurig oder enttäuscht ist), ist dieser logische Teil des Gehirns nicht voll funktionsfähig. Unsere verbale Ansprache ist daher nicht wirklich sinnvoll, schlichtweg, weil nichts ankommt.
Vielmehr verschlimmert Reden sogar das Problem. Meist wissen unsere Kinder nämlich ganz genau, was sie falsch gemacht haben. Sie sind also schon aufgewühlt und sie leiden bereits. Das “Auf-das-Kind-Einreden” überflutet seine Sinne noch mehr , wodurch es noch stärker dysreguliert ist, sich noch mehr überwältigt fühlt und viel weniger in der Lage ist, Einsicht zu zeigen, geschweige denn, uns überhaupt zu hören.
Also: Es hilft, nicht so viel zu reden, sondern erstmal einfach nur zuzuhören. Dabei ist es wichtig, nicht alles, was unser Kind tatsächlich sagt, auch für bare Münze zu nehmen. Ein Beispiel, um es verständlicher zu machen: Wenn unser Kind sagt: “Ich gehe nie nie wieder in die Schule!”, dann ist das weder die Aufforderung an uns, unser Kind von der Schule abzumelden und auch nicht, dem zu widersprechen. Vielmehr können wir dies übersetzen mit: “Ich bin wirklich sauer auf meine Lehrer, weil sie mich ungerecht behandelt haben. Ich möchte, dass das geklärt wird, bevor ich am nächsten Tag in die Schule gehe. Dafür brauche ich deine Hilfe.”
Es geht also darum, dem Warum nachzugehen; hinzuhören, worum es jetzt gerade wirklich geht. Egal, wie groß unser Verlangen ist, unserem Kind unsere Werte und Regeln zu erklären, es zu belehren oder zu sagen, es solle aufhören, sich jetzt so zu verhalten.
Es ist gut, wenn wir unserem Kind Zeit geben, sich zu äußern. Das führt dazu, dass sich unser Kind gesehen fühlt und das wiederum beruhigt unser Kind. Und erst dann können wir unsere Werte und Regeln vermitteln.
Herzlichst,
Nicole Schöbe
(Quelle zum Nach- und Weiterlesen: Disziplin ohne Drama, Achtsame Kommunikation mit Kindern von Siegel & Bryson)