Anerkennen

Das Anerkennen ist in Momenten großer emotionaler Not die zweite Säule im sog. Verbindungskreislauf.

Es geht hier darum, dass wir unsere Kinder wissen lassen, dass wir sie und ihre Emotion verstehen; erstmal egal, ob wir ihr daraus resultierendes Verhalten mögen oder nicht.

Wenn wir die Emotionen unseres Kindes anerkennen, dann stimmen wir uns auf unser Kind ein. Dies ist die Grundlage dafür, auf das das Verhalten unseres Kindes angemessen reagieren zu können (anstatt auf die Emotion).

Das Anerkennen ist eigentlich ziemlich einfach: Wir müssen schlichtweg das bestehende Gefühl identifizieren und benennen. “Das hat dich richtig wütend gemacht, oder?” “Ich kann verstehen, dass du traurig bist.”

Das Benennen von Emotionen hat zwei Vorteile:

  1. Es beruhigt sofort das autonome Nervensystem des Kindes und seine starken Gefühle werden besänftigt, wenn es sich verstanden fühlt. So kann es, anstatt einfach nur zu reagieren, umlenken und eine gute Entscheidung treffen (anstatt z.B. zu hauen oder zu beleidigen).

  2. Unser Kind erwirbt ein Emotionsvokabular und emotionale Intelligenz. Das hat zur Folge, dass es irgendwann seine Gefühle selbst erkennen und benennen kann, was ihm wiederum beim Verstehen seiner Gefühle und das Wiedererlangen seiner Kontrolle hierüber hilft.

Wie schon beim Trost geben, geht es hier darum, das Kind aus der Reaktivität in einen Zustand der Empfänglichkeit zu holen. Erst wenn unser Kind überhaupt empfänglich ist für uns und unsere Werte, kann ich diese dem Kind übermitteln.

Nochmal: Es geht beim Anerkennen nicht darum, zuzulassen, dass bspw. jemand verletzt wird oder Sachen von anderen kaputt gemacht werden. Manchmal kann es erforderlich sein, das Kind erstmal aus der Situation zu nehmen, ehe ich seine Gefühle anerkenne.

Unangemessenes Verhalten muss nicht gebilligt werden, aber: Indem wir uns auf unser Kind (und seine Emotionen) einstimmen, holen wir es dort ab, wo es sich gerade befindet und schaffen damit eine gute Grundlage für das weitere Gespräch. Ohne die Verbindung hat jegliches weitere Gespräch über die (von uns nicht erwünschten) Handlungen unseres Kindes keinen Sinn - es wurde nachgewiesen, dass ein Überbringen der Werte (also z.B.: “Wir beleidigen niemanden und gehen freundlich miteinander um.”) nicht nachhaltig ist, wenn sie gesagt werden, wenn die Emotionen noch viel zu hoch sind. Auch Schimpfen hat erstmal nur den Effekt, dass Energien freigelassen werden - nachhaltig ist es nicht.

Herzlichst,

Nicole Schöbe

(Quelle zum Nach- und Weiterlesen: Disziplin ohne Drama, Achtsame Kommunikation mit Kindern von Siegel & Bryson)

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