Trost vermitteln
In Momenten großer emotionaler Not brauchen unsere Kinder unsere Hilfe, um sich wieder regulieren zu können (sog. Co.-Regulation). Es ist hilfreich, in solchen Momenten in Verbindung mit unserem Kind zu gehen. Doch wie sieht so eine Verbindung aus und wie kann sie funktionieren ?
Ich stelle Ihnen den 1. Teil des Verbindungskreislaufes vor: Trost vermitteln.
Eine wirkungsvolle nonverbale Möglichkeit der Verbindung ist, Trost zu vermitteln durch Berührung. Hierbei wird das Wohlfühlhormon Oxytocin freigesetzt und das Stresshormon Cortisol sinkt.
In großen emotionalen Momenten ist es manchmal für uns Eltern schwierig, Berührung zu geben; es lohnt sich aber trotzdem, denn: Wenn wir selber wütend werden und ggf. in einem für das Kind beängstigenden Tonfall “Hör jetzt endlich auf!” sagen, bewirkt es zwar möglicherweise, dass unser Kind dann tatsächlich leise ist. Allerdings eher aus Angst; sein Stresslevel bleibt weiterhin hoch, das Herz pocht wie wild und von Beruhigung keine Spur.
Wenn wir uns bedroht fühlen, kann sich unser “Schaltsystem für Sozialverhalten” nicht einschalten und wir reagieren einfach, ohne uns zu reflektieren. Wenn unser Gehirn Bedrohung erkennt, reagiert es auch dementsprechend mit Kampf, Flucht, Erstarrung oder Ohnmacht um Sicherheit zu wahren.
Wenn wir also unserem Kind, wenn die Emotionen eskalieren, nicht mit einem frustrierten oder ärgerlichen Gesichtsausdruck gegenübertreten, sondern wohlwollend, merkt das kindliche Gehirn: “Keine Bedrohung!” und kann sich darauf konzentrieren, seine Emotionen (mit unserer Hilfe) zu regulieren.
Es ist hilfreich, sich auf Augenhöhe, bzw. sogar unter die Augenhöhe des Kindes zu begeben; sich also z.B. auf den Fußboden zu setzen und eine entspannte Körperhaltung einzunehmen. Es wurde herausgefunden, dass der Effekt “keine Bedrohung” dadurch noch schneller erreicht werden kann. “Ich bin da und werde dich trösten und dir helfen.” Mit entsprechender Körpersprache beruhigen wir so das Nervensystem eures Kindes und, wie praktisch: auch unser eigenes.
Natürlich kann man sich nicht immer auf oder sogar unter die Augenhöhe des Kindes begeben. Es geht hier auch vielmehr um den Tonfall unserer Stimme und die innere Haltung. Auch wird es uns nicht immer gelingen, uns mit unserem Kind zu verbinden, weil wir uns manchmal dazu entscheiden, dass es wichtiger ist, ein “Machtwort” zu sprechen. Das Entscheidende ist aber, dass wir aussenden, bewusst und absichtsvoll zu entscheiden (anstatt willkürlich).
Herzlichst,
Nicole Schöbe
(Quelle zum Nach- und Weiterlesen: Disziplin ohne Drama, Achtsame Kommunikation mit Kindern von Siegel & Bryson)